[Text folgt]
Parallaxenfehler können vermieden werden, wenn die Kamera bei der Aufnahmereihe um einen bestimmten Punkt geschwenkt wird. Es existieren viele Namen für diesen Punkt, so zum Beispiel: Drehpunkt, pivot point, no-parallax point, NPP, scheinbare Blendenöffnung, entrance pupil, center of perspective; fälschlicherweise auch: Nodalpunkt, nodal point, Knotenpunkt.
Nicht korrekt ist die Bezeichnung Nodalpunkt, Knotenpunkt oder nodal point (da fast immer nicht mit dem gesuchten Drehpunkt übereinstimmend) - sie hat sich jedoch mehr oder weniger eingebürgert. Ich verwende deshalb im Nachfolgenden den neutraleren, dafür bezeichnenden Begriff «Drehpunkt» (pivot point).
Was Sie im Voraus wissen sollten:
Die genaue Feststellung des Drehpunkts ist nicht in jedem Fall notwendig. Es gilt die Faustregel «je näher die nähesten abgebildeten Gegenstände, desto genauer muss die Kamera um den Drehpunkt geschwenkt werden». So können Landschaften häufig «aus der Hand geschossen» werden oder unter Zuhilfenahme von Philippe Hurbains «Virtual Tripod» - relativ kleine Fehler können durch Software wie beispielsweise Smartblend behoben werden).
Hier einige («extreme») Beispiele, bei denen der Drehpunkt sehr exakt gefunden werden musste (bzw. zusätzliche Tricks angewendet werden mussten):
Es ist an dieser Stelle nicht mein Ziel, die Theorie zum Drehpunkt im Detail darzustellen (dies haben andere bereits ausführlich getan). Vielmehr möchte ich Anregungen für das Finden des Drehpunkts in der Praxis liefern (bzw. derartige Anregungen zusammenfassen).
Für Theoriebegeisterte kann jedoch auf folgende Seiten verwiesen werden:
Nachfolgend beschriebene Methode ist für alle Objektivarten geeignet und erlaubt eine relativ genaue Justierung des Drehpunkts. Es ist daran zu denken, dass sich die Position des Drehpunktes verändert, wenn sich folgende Parameter verändern:
Bei einem Versuchsaufbau sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die entsprechenden Parameter beim Versuch gleich wie beim geplanten Panorama-Shooting gewählt werden.
Montieren Sie die Kamera nun auf einen in alle Richtungen verstellbaren Panoramakopf. Die Richtungsangaben in diesem Text beziehen sich auf die Situation, die sich Ihnen zeigt, wenn Sie in Fotografierrichtung auf Ihre Kamera schauen: «nach links/nach rechts» bedeutet eine seitliche Verschiebung («X-Achse»), «nach hinten/nach vorne» eine Verschiebung zu Ihnen/weg von Ihnen («Y-Achse») und «nach oben/nach unten» eine Verschiebung weg vom Boden/zum Boden hin («Z-Achse»).
Für einige Kameras bzw. Objektive finden Sie eine Liste der gemessenen Abstände in Entrance Pupil Database (PanoTools Wiki). Falls Ihre Kombination nicht darunter ist, gehen Sie wie folgt vor:
Grobeinstellung «nach links/nach rechts»:
Schieben Sie die Kamera seitlich so, dass sich das Zentrum der Linse genau über der Drehachse des Panoramakopfes (Stativmittelsäule) befindet. Dazu gibt es mehrere Methoden. Messen der Distanz zwischen der Kamerabefestigung und der Mitte der Linse und entsprechendes einstellen des Panoramakopfs. Oder Nach-unten-Schwenken der Kamera und seitlich verschieben, bis sich die Befestigungsschraube des Panoramakopfs in der Mitte des Suchers befindet. Oder Ausrichten der Mitte des Objektivs an der Mitte der Stativmittelsäule durch Peilung mittels Lot oder einer anderen Senkrechten (Türrahmen etc.).
Grobeinstellung «nach hinten/nach vorne»:
Begeben Sie sich vor die Kamera, so dass Sie frontal auf die Linse schauen. Achten Sie darauf, dass die Blende nun soweit geschlossen ist, wie es Ihr Versuch verlangt (standardmässig schliesst sich der Blendenring erst beim Drücken des Auslösers, es muss also manuell dafür gesorgt werden, das die Abblendung dauernd wirksam wird). Die Lichtstrahlen, die durch den Sucher, dann durch die Linse fallen, sind nun als heller Fleck inmitten der sonst dunkel scheinenden Linse sichtbar (falls nötig müssen Sie dafür sorgen, dass mehr Licht durch den Sucher fällt, beispielsweise, indem Sie die Kamera vor ein Fenster stellen). Dieser helle Fleck ist die scheinbare Blendenöffnung (entrance pupil), die beispielsweise Rick Littlefield in seinem oben erwähnten Papier beschreibt. Wenn Sie den Panoramakopf drehen, sollte dieser Fleck (solange sichtbar) immer an derselben Stelle bleiben (Referenz: Stativmittelsäule).
Korrigeren Sie wenn nötig wie folgt:
Bei einer Drehung des Panoramakopfs im Uhrzeigersinn (von oben betrachtet), bewegt sich der helle Fleck nach links. Bei einer Drehung im Gegenuhrzeigersinn, nach rechts. Schieben Sie die Kamera ein wenig von sich weg.
Bei einer Drehung des Panoramakopfs im Uhrzeigersinn (von oben betrachtet), bewegt sich der helle Fleck nach rechts. Bei einer Drehung im Gegenuhrzeigersinn, nach links. Ziehen Sie die Kamera ein wenig zu sich hin.
Grobeinstellung «nach oben/nach unten»:
Wenn sich die Kamera nahe an der Panoramakopfbasis befindet und Sie ein 360 x 180°-Panorama aufnehmen möchten, erscheint diese Basis im Endpanorama relativ gross und muss entweder unter einem Logo versteckt oder mittels Retusche entfernt werden (Stichwort: Nadir-Stitching). Sorgen Sie dafür, dass der senkrechte Abstand Objektiv-Panoramakopfbasis grösser wird (versetzen der Kamera nach oben), wird diese Problemzone kleiner (ähnliches gilt übrigens auch im Verhältnis der drei Füsse des Stativs zur Länge der Stativmittelsäule). Durch dieses Nach-oben-Verschieben wird die Konstruktion jedoch im Allgemeinen etwas instabiler («wackelig»). Es gilt deshalb, einen annehmbaren Kompromiss Höhe/Stabilität zu finden.
Feineinstellung:
Nun suchen Sie sich zwei senkrechte Linien (Schranktür, Hauswand, Lotschnur etc.) aus. Eine davon muss sich nahe beim Objektiv befinden (in der unten stehenden Grafik orange), die andere möglichst weit entfernt (in der unten stehenden Grafik schwarz). Richten Sie sich so ein, dass diese beiden Senkrechten sich in ihrem Sucher in einer Linie befinden (Peilung). Beobachten Sie nun, wie sich die beiden Linien zueinander verhalten, wenn Sie die Kamera im Uhrzeigersinn bzw. im Gegenuhrzeigersinn drehen. Aus der Veränderung der Positionen zueinander können Sie schliessen, in welcher Richtung sich der korrekte Drehpunkt befindet. Verwenden Sie hierzu folgendes Schema:
Klicken Sie auf das nebenstehende Schema. Es öffnet sich eine PDF-Anleitung (2 Seiten).
Genauere Ergebnisse erreichen Sie, wenn Sie die Feineinstellung nicht von blossem Auge vornehmen, sondern die entsprechenden Digitalbilder am Bildschirm vergleichen.
Und hier noch einige andere Seiten, auf denen diese Methode (manchmal in fantasievollen Varianten) ebenfalls beschrieben wird:
Michel Thoby, Test set-up with a Laser pointer
Für zirkuläre Fischaugen-Objektive kann der so ganannte roll-Wert (r) gemessen werden, der sich durch die nicht exakte Parallelität von Kameraboden und Bildsensor ergibt
Michel Thoby, Mirror Test Set-Up und Michel Thoby, Mirror Test (Result)
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